Im Rhonetal - Johanna Spyri geb. Heusser - Страница 1 из 110


stillen Landhause, das seit uralter Zeit ins Tal herniederschaute,
schritt das achtjährige Töchterchen des Hausherrn auf und
nieder, die Wege sichtlich in der Erwartung irgend eines Ereignisses
messend, denn von Zeit zu Zeit stand es aufhorchend still, dann ging
es wieder weiter rundum. Jetzt ertönte in der Ferne das
Rollen von Wagenrädern; in hohen Sprüngen rannte das Kind
durch den Garten der schmalen Fahrstraße zu, die am Hause
vorbeiführte. Hier stand es still und schaute die Straße
hinab nach der Stelle hin, wo gleich ein Pferdekopf, oder deren zwei,
in Sicht kommen mußten, gefolgt von einer Kutsche, die Besuch
bringen sollte. Diesmal hatte die Erwartende keinen Begriff davon, wer
die Fremden sein möchten. Am Abend vorher war ein Brief
angekommen, der den Besuch ansagte; das Kind hatte einen Namen nennen
gehört, der ihm ganz unbekannt war. Alle seine zahlreichen
weiteren Fragen über die Sache waren in der allgemeinen
Überraschung und in den sofort sich anbahnenden Vorbereitungen
zum Empfang des Besuches unbeachtet verklungen. Um so spannender war
die Erwartung, und etwas Besonderes mußte an dem Besuch sein,
denn oben im Zimmer stand alles bereit, jemanden zu empfangen, der
weit herkam und einer festlichen Begrüßung würdig war.
Jetzt wurden die Pferdeköpfe sichtbar. Blitzschnell war das
Kind über den Platz weg, die Treppe hinauf und in der Hausflur
angelangt, wo es nun mit voller Kehle ausrief: »Sie kommen! Sie


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