Im Isartal - Karl von Heigel - Страница 1 из 115


angebrochen. Ein sternloser Himmel lag über München; die
Ringmauern hielten den scharfen Wind nicht ab, der vom Gebirg her
blies, nicht die Nebelschwaden, die erst über der Isar hingen,
dann über das verschneite Gelände krochen. Die Bürger
waren längst in ihrem Daheim, doch auch in der warmen Stube war
kein Behagen, und die Weihnachtsfreude stellte sich nirgends ein, denn
eine unglückliche Vergangenheit und eine Zukunft ohne Hoffnung
lastete auf den Herzen. Nur auf dem Marienplatz war es laut und
lebendig. Im Rathause waren alle Fenster erleuchtet und ein heller
Schein fiel auf die nachbarlichen Giebelhäuser, auf zierliche
Erker und grobe Wandmalereien. Auf der Freitreppe zum großen
Festsaal flackerten Holzbrände in eisernen Pfannen, und
kaiserliche Soldaten bildeten eine Ehrengasse für die Geladenen
und einen Zaun gegen die ungebetenen Gaffer. Die meisten Gäste
kamen hoch zu Roß an. Wenn sie die Stufen hinanschritten,
während ihr Reitknecht über den dampfenden Gaul die Decke
warf, blinkten ihre Kürasse blutrot und Sporen und Säbel
klirrten. Was in Sänften kam, war unkriegerisches Volk,
Ratsherren und andere Würdenträger Münchens. Denen war
in ihren pelzverbrämten Schauben trotz dem Willkomm von Trompeten
und Pauken gar nicht wohl. Denn im eigenen Hause waren sie heute die
Gäste: die kaiserliche Besatzung gab das Bankett, um Weihnachten
zu feiern und ihr Waffenglück im Bayerland. Die


-10     пред. Страница 1 из 115 след.     +10