Der Henker - Karl von Holtei - Страница 1 из 42


aufzuhängen, braucht man viererlei Dinge. Erstens –
worüber schon die alten Nürnberger im klaren gewesen sind
– den Menschen selbst; zweitens einen Galgen oder etwas dem
Entsprechendes; drittens einen Strick; viertens einen Henker. An
letzterem, behauptet Dumas der Vater mit der ihm eigenen Zuversicht
irgendwo, sei niemals Mangel. Diesem Axiom sehe ich mich zu
widersprechen genötigt, und mein Widerspruch gründet sich
zum Teil auf die kurze Erzählung, welche hier folgen soll. Ich
muß den geneigten Leser im voraus um Entschuldigung bitten
für einen scheinbar frivolen und leichtfertigen Ton, der sich in
der kleinen Geschichte hier und da kundgeben möchte. Er
entspringt keineswegs aus verhärtetem Gemüte und will
durchaus nicht etwa so frech sein, blödsinnigen Scherz zu treiben
mit dem Furchtbarsten und Schauerlichsten, was unserer geselligen
Zustände eherne Notwendigkeit gebietet, mit der Todesstrafe.
Im Gegenteil, er will unter leichtem Gewande düstern Ernst
verbergen, er will versuchen, manchen Gedankenlosen, der zu bequem
oder zu zerstreut wäre, selbst darüber nachzusinnen, auf die
gräßlichen Gegensätze hinzuweisen, die das
selbstsüchtige Leben bildet neben einem drohenden Tode durch
Hinrichtung. Die Begebenheit ist wahr. Nur an den Mängeln der
Darstellung und an der Ungeschicklichkeit des Verfassers
könnte es liegen, wenn sie poetisch unwahr erschiene. Die
Stadt Grundau befand sich in fieberhafter Aufregung. Eines


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