Eine Jugend in Breslau - Karl von Holtei - Страница 1 из 151


älter, als unser neunzehntes Jahrhundert. Meine Mutter
starb, nachdem sie mich geboren; mein Vater, Husaren-Offizier,
wußte nicht, was er mit einem schreienden Kinde beginnen sollte?
So kam ich in das Haus des alten Freiherrn von Arnold, dem nur aus
erster Ehe noch eine Tochter lebte, und dessen zweite Gattin die
Schwester meiner Großmutter von väterlicher Seite, folglich
meine Großtante war. Ich wurde als Pflegesohn auf- und
angenommen, ohne förmlich gerichtlich adoptiert zu sein.
Die Persönlichkeiten dieses Hausstandes: Vater, Mutter und
Tochter, hier einleitend zu schildern, wäre unnütze Arbeit.
Ich habe mir vorgesetzt, zunächst von mir, von meinen
Erinnerungen zu sprechen, und im Laufe meines Geschwätzes
mögen sich dann auch jene Figuren geltend machen, wo sie wollen
und können. Das Leben der Familie zerfiel in zwei
Hälften: der Winter in Breslau, der Sommer drei Meilen von
Breslau entfernt auf den ländlichen Besitzungen. Die
königliche Gewalt wurde damals großartig durch zwei stolze
Repräsentanten vertreten. Der sogenannte »Minister«,
Graf Hoym, war eigentlich Vizekönig in Schlesien und in gewisser
Beziehung allmächtig; Fürst Hohenlohe,
Militärgouverneur, in seiner Art nicht minder angesehen. Um diese
beiden drehte sich zwar Alles, aber in reichen Kreisen. Entweder der
schlesische Adel ist zu jener Zeit wirklich wohlhabender gewesen, als
heute, oder er hat sich besser darauf verstanden, so zu


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