Kriminal- und Schauererzählungen - Karl von Holtei - Страница 1 из 247


  Quelle:
PDF von www.alte-krimis.de I. Bella  
(1828.)   I. Am Gesundbrunnen zu R. stellte
sich vor einigen Jahren ein junges Paar ein, welches die
Aufmerksamkeit sämmtlicher Badegäste auf sich zog. Der Mann
ein bleicher, düsterer Dreißiger mit scheuem Blick und
verlegenem Benehmen! die Frau vielleicht zehn Jahre jünger, ein
Bild der sittsamsten Anmuth, doch sicher und frei in ihrem Wesen.
Beide waren sichtbar krank, auch trotz einer gewissen Zierlichkeit in
Tracht und Haltung ziemlich dürftig. Man sah sie nur des Morgens
am Brunnen, sonst in keinem geselligen Kreise. Desto höher
steigerte sich das Interesse, welches Männer und Frauen für
Frau und Mann nährten. Diesem Interesse gesellten sich bald
Neugierde und – Argwohn. Die jungen Leute schienen sich sehr zu
lieben; ja, oft glich ihr Verhältniß mehr einer eben
geschlossenen glühenden Verbindung, als einer seit Monaten
bestehenden Ehe. Dann aber sah man sie wieder verstimmt, kalt und
unfreundlich neben einander her gehen. Das Unglück
lag auf ihnen und breitete sich über sie wie ein schwarzer
Schleier, durch den, nur umhüllt, die Schönheit der Frau,
der unsichere Feuerblick des Mannes strahlte. Wohl fehlte es nicht an
jungen Damen, die jenem Feuerblicke gern begegnen und sich unter dem
Fremden (wir nennen ihn Hugo) einen sehr geistreichen Mann denken
mochten. Aber noch größer war die Zahl junger und


-10     пред. Страница 1 из 247 след.     +10