Thomas Kerkhoven - Korfiz Holm - Страница 1 из 263


Ullstein & Co Berlin-Wien
Erstes Buch
Selbviert übernachteten sie in der Kabine, wo sich zwischen
den Kojen und alle dem Handgepäck, das am Boden lag, nur einer
zurzeit notdürftig bewegen konnte. Da dauerte das Aufstehen
morgens lange; und Thomas Kerkhoven, als der jüngste mit seinen
einundzwanzig Jahren, mußte bis zuletzt warten. Ihm war das
schließlich lieb: denn die Ungeniertheit, die der alte Konsul
Wesselbeck bei seiner Toilette an den Tag legte, däuchte ihn im
höchsten Maße verwunderlich. Wie er so –
»kühlpfeifend« dachte Thomas – die
Zahnbürste aus einem schmutzigen Stück Zeitung wickelte und
sie in die aufgesammelte Asche seiner Morgenzigarre tunkte, –
darin lag ein beneidenswertes Bewußtsein von der Richtigkeit des
eignen Tuns. Thomas Kerkhoven drehte sich mit einem Seufzer zur
Wand. Wer von Natur schüchtern ist, hat immer eine melancholische
Bewunderung für Leute, die sich bis zu den Naturlauten ihrer
Morgentoilette breitspurig geben, wie sie sind. – Thomas
lebte seit zwei Tagen in einem sonderbar zwiespältigen
Traumzustande. Ihm war, als sei er von einem Vorhang umgeben,
durch den Licht und Schall von draußen nur gedämpft
hereindrängen; aber zugleich sah er tausend Einzelheiten des
gewöhnlichen Lebens ringsum, die er sonst nie beachtet hatte,
gleichgültige Dinge, die ihn jetzt vielleicht noch fremder


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