Hexerei oder Blinder Lärm - Ludvig Holberg - Страница 1 из 92


oder
Blinder Lärm. Komödie in fünf Akten. Aus
dem Dänischen von Robert Prutz.    
Leipzig und Wien
Bibliographisches Institut
[1872]   Die Veranlassung zu diesem Stücke
– dem achtzehnten in der jetzt üblichen Reihenfolge der
Holbergschen Lustspiele – hat der Dichter
größtentheils einem Ereigniß entnommen, das sich kurz
zuvor in dem Städtchen Thisted in Jütland zugetragen. Dem
Prediger dieses Städtchens nämlich war von einer reichen
Bürgersfrau der Stadt die Hand ihrer Tochter verweigert worden.
Um sich für diese Zurücksetzung zu rächen, hatte er die
Frau als Hexe ins Geschrei gebracht, und zwar mit solchem Erfolge,
daß auch verschiedene andere Frauen der Stadt sich freiwillig
für besessen ausgaben, bis zuletzt die halbe weibliche
Einwohnerschaft von Geistern und Erscheinungen geplagt war. Ein paar
muthwillige Studenten, die an dem tollen Treiben ihren Spaß
hatten, vermehrten dasselbe noch durch listige Veranstaltungen und
brachten es auf die Art endlich dahin, daß die Gerichte, den
Bischof Bircherod in Aalborg an der Spitze, sich gemüßigt
fanden einzuschreiten. Wirklich wurde eine der unglücklichen
Frauen als Hexe zum Feuertode verurtheilt; sie appellirte jedoch, und
König Friedrich IV. war einsichtig und vorurtheilsfrei
genug, nicht nur das Urtheil zu kassiren, sondern auch die
unverständigen Richter, die es gefällt hatten, zur
Verantwortung zu ziehen. Dasselbe geschah auch dem Bischof, der sich


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