Nachricht von meinem Leben - Ludvig Holberg - Страница 1 из 473


in drei Briefen an einen vornehmen Herrn  
Lateinischer Originaltitel: Epistolae ad virum perillustrem
(1727-43)  
Der erste Brief
Mein Herr, niemals übernehme ich etwas mit
größerem Vergnügen, als was Sie mir auftragen. Itzt
aber fordern Sie fast zuviel, da Sie mir befehlen, Ihnen eine
Nachricht von meinem Leben zu erteilen, da ich doch niemals imstande
gewesen, etwas auszurichten, welches aufgezeichnet zu werden
verdiente. Sie verlangen Kleinigkeiten zu erfahren, auf deren
Durchlesung auch die Müßigsten kaum einige flüchtige
Augenblicke wenden dürften. Sie fordern von mir, daß ich
eine Geschichte entwerfen soll, welche, aller angewandten Mühe
ohngeachtet, dennoch ihrem Schicksale nicht wird entfliehen
können, daß sie nicht zuletzt den Krämern in die
Hände geraten sollte. Es fällt mir gewiß ebenso
schwer, etwas zu tun, welches wert wäre, aufgeschrieben zu
werden, als etwas abzufassen, welches sich den Beifall der Leser
versprechen könnte. Daher habe ich es allemal von mir abgelehnet,
sooft man mich angetrieben, diese Kleinigkeiten aufzuzeichnen. Ihr
Befehl, mein Herr, ist allein vermögend gewesen, meinen Vorsatz
zu ändern. Ich weiß, wie geneigt Sie von mir und meinen
Schriften zu urteilen gewohnt sind, und man würde mich mit Recht
sehr undankbar nennen, wenn ich mich Dero Verlangen noch ferner


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