Gedichte - Ludwig Heinrich Christoph Hölty - Страница 1 из 14


Hölty Sie ist dahin, die Maienlieder tönte,
Die Sängerin,
Die durch ihr Lied den ganzen Hain verschönte.
Sie ist dahin!
Sie, deren Ton mir in die Seele hallte,
Wenn ich am Bach,
Der durchs Gebüsch im Abendgolde wallte,
Auf Blumen lag! Sie gurgelte, tief aus der vollen Kehle,
Den Silberschlag:
Der Widerhall in seiner Felsenhöhle
Schlug leis' ihn nach.
Die ländlichen Gesäng' und Feldschlameien
Erklangen drein;
Es tanzeten die Jungfrau'n ihre Reihen
Im Abendschein. Sie horchten dir, bis dumpf die Abendglocke
Des Dorfes klang.
Und Hesperus, gleich einer goldnen Flocke,
Aus Wolken drang;
Und gingen dann im Wehn der Maienkühle
Der Hütte zu,
Mit einer Brust voll zärtlicher Gefühle,
Voll süßer Ruh. Die Schale der Vergessenheit
Ludwig Heinrich Christoph Hölty Eine Schale des Stroms, welcher
Vergessenheit
Durch Elysiums Blumen rollt,
Bring, o Genius, bring deinem Verschmachtenden!
Dort, wo Phaon die Sängerin,
Dort, wo Orpheus vergaß seiner Eurydike,
Schöpf den silbernen Schlummerquell!
Ha! Dann tauch' ich dein Bild, spröde Gebieterin,
Und die lächelnde Lippe voll
Lautenklanges, des Haars schattige Wallungen,
Und das Beben der weißen Brust,
Und den siegenden Blick, der mir im Marke zuckt,
Tauch' ich tief in den Schlummerquell. An die


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