Regenbogen - Ludwig Hevesi - Страница 1 из 153


Zwischen den vier Wänden des Dresdener Museums, welche die
Sixtinische Madonna umschließen, ging es lebhaft zu. Die langen
Bänke an den Wänden waren dicht besetzt von
Andächtigen, welche ein Stündchen lang diese geweihte Luft
atmen wollten. Deutlich sah man ihnen eine allerheiligste Gegenwart
an, welche sie befangen machte. Etliche waren geradezu verwirrt,
wenigstens nach den seltsamen Reden zu schließen, die sie
führten, so lange nicht ein allgemeines »Pst« sie
wieder zum Schweigen brachte. Aber schon ihre Andacht selbst
äußerte sich in der verschiedensten Weise. 4 An der
Ecke, der Thür zunächst, saß schon seit drei
Viertelstunden ein beleibter Herr in hellgrauem Sommeranzug von
eleganter Knappheit, dessen Nähte an mehreren Stellen, namentlich
an den Achseln und der Innenseite der Beinkleider, zolllang geplatzt
waren. Er schlief ruhig und schnarchte nur zuweilen leise auf.
Neben ihm saß eine ältliche Dame in schwarzem Seidenkleid
mit viel Goldschmuck, die sich ein Verdienst um die Gesellschaft
erwarb, indem sie ihn in solchen lauten Augenblicken mit einem
Ellbogen, den sie eigens zu diesem Zwecke mitgebracht hatte, so lange
stieß, bis er wieder schwieg. Dann folgte ein hellgrauer,
schwarz umgürteter Zylinderhut, unter dessen Krämpe hervor
zwei schuhlange, schwarze Sehrohre wie Kanonen nach einer Kopie der
Madonna zielten, an der ein grauköpfiger Maler in grauem
Röcklein emsig pinselte. Das Original schien den Amerikaner


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