Gedichte - Luise Hensel - Страница 1 из 43


ist das Wandern, Wenn die Seele rückwärts zieht,
Und ein liebes Auge lange Weinend noch herüber sieht.
Und ein Tüchlein flattert ferne, Bis dich birgt
des Waldes Saum; Siehst es winken, siehst es blinken,
Wehen noch durch deinen Traum. Ach, die Sonne scheint
dir trübe, Und dich freut kein Lerchenlied - Bitter,
bitter ist das Wandern, Wenn die Seele rückwärts
zieht. Auf der Heimfahrt, Sommer 1856 Luise
Hensel Wehmut Hoch in der Linde drüben Ein
Vöglein wohnte lang; Ich tat es herzlich lieben, Gern
lauschen seinem Sang. Wo ist mein Sänger blieben? Ach,
schweigt ja schon so lang. Er sang von Lenz und Lieben -
Drüben Ist alles stumm und bang. Die Linde seh' ich
stehen So traurig dunkelgrün, Die Blumen all vergehen
Und wollen nicht mehr blühn. Ich hab' ihn oft gesehen,
Nun ist er hin, ist hin - Die Winde schaurig wehen, Gehen
Und seufzen all um ihn. Berlin, 1815 Luise Hensel
Antwort Warum ich mir kein Herz erwählte, Das
Liebe sucht' und Liebe bot? Warum ich Christo mich
vermählte, Ihm treu zu sein bis in den Tod?
Warum ich ihn allein will lieben, An seiner Schöne mich
erfreun, Bei seinen Schmerzen mich betrüben, In
seiner Liebe selig sein? Warum? Nicht will ich es euch


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