Auf dem Heilwigshof - Marie Hirsch - Страница 1 из 63


Glück, und Treu' und Glauben, heiße Lieb' und feste
Freundschaft, was dauert denn? Nicht einmal das Leben das Schlechteste
von allen. Und so findet – man sollt's nicht denken –
sogar auch eine Familiengesellschaft auf dem Lande zuletzt ihre
Endschaft. Wenn man gegen ein Uhr mittags zusammengekommen ist,
kräftig gespeist, darauf den Kaffee getrunken, eine Partie
Billard oder L'hombre miteinander gemacht, etwas Kuchen zur Vesper
genommen, noch die Pferde besichtigt und einen Blick in den neuen
Schafstall getan hat, während die Damen bei ihrem Strickstrumpf
in ehrbar lehrreichen Gesprächen über Wirtschaft und
Kinderzucht die Stunden verbrachten, so rückt allmählich,
allmählich die Zeit für das Abendessen heran. Und ist das
aufgedeckt und verzehrt, genügend mit gutem Rot- oder Rheinwein
hinuntergespült – die Herren Inspektoren und Volontäre
helfen getreulich – so ist es wohl nahe an 11 Uhr geworden, und
bleibt nichts übrig, als Abschied zu nehmen. Der Bruder
Sanitätsrat besteigt seinen Braunen; der Schwager Amtsrichter mit
Frau und Kindern richtet sich ein auf seinem Gefährt, so
gut es eben der Raum gestattet; der Neffe Förster und der Herr
Pastor gehen zu Fuß. Es währt nicht sehr lange, so ist kein
Gast mehr auf dem alten Heilwigshofe, bis auf den einen, der hier
daheim ist, der neben dem Gutsherrn auf den Stufen vor der Tür
des breiten, vielfenstrigen Wohnhauses steht und den sich Entfernenden


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