Der Ring des Lebens - Max Halbe - Страница 1 из 216


Verlag Ullstein & Co / Berlin
Der Ring des Lebens Dumpfe Julihitze brütete wie ein
bleiernes Daunenbett über dem flachen unabsehbaren Stromland,
durch das ich mit meinem Bruder Friedrich zu den Ferien heimfuhr.
Rechts und links des staubigen zerfurchten Landwegs, auf dem unser
leichtes Korbwägelchen federnd und stoßend dahinrollte,
folgte Feld auf Feld in allen Schattierungen von Grün und Gelb,
hier mannshoher, schlanker Roggen, der sich selbstbewußt und
erntereif im Sommerwind wiegte, dort die schwere, schwanke, gleichsam
weibliche Fülle lichtblonden Weizens in sanften Wellen wie atmend
hingeschmiegt, dazwischen stachlig und borstig mit gesträubten
Bärten die dichtgelagerten Heerhaufen goldgelber Gerste, der
struppige, verfilzte Troß schwarzgrüner Erbsen- und
Bohnenstauden, in langen schnurgeraden Reihen die Regimenter
saftstrotzender Zuckerrüben, hellgrüner, schon bleichender
Hafer mit seinen ewig bewegten zitternden, bebenden Glöckchen und
Rispen, und abermals Weizen und wieder Weizen in schwerer, schwanker,
lichtblonder Fülle vom Südwind gewiegt. »In
vierzehn Tagen kann er geschnitten werden,« sagte mein Bruder
Friedrich mit einer fünfzehnjährigen Grabesstimme und sah
dabei wie von Bergesgipfeln auf den vierzehnjährigen Knirps
nieder, der neben ihm saß. Ich nickte und schwieg. Vor uns
zwischen dem silbrigen Blätterwerk der zerborstenen Weiden, die


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