Der Teufel. Sein Mythos und seine Geschichte im Christentum - Max Henning - Страница 1 из 141


der alten Welt im Christentum vollzieht sich »in, mit und
unter« Herausbildung des neuen allumfassenden und
allesverschlingenden Mythos vom Christ, der als Sohn Gottes aus seiner
himmlischen Vorexistenz in die Welt geboren wurde, um das Reich des
»Fürsten dieser Welt«, das Reich Satans oder des
Teufels, das im Tode gipfelt, zu zerstören und die Menschheit
durch die Aufrichtung des Reiches Gottes aus seinen Banden und vor dem
nahenden Weltgericht zu erretten. Christus und im weiteren
Verlaufe Gott und der Teufel mit ihren Heerscharen stehen sich von nun
an als die beiden einzigen überirdischen Mächte in der Welt
gegenüber. Die gesamte übrige heidnische Götterwelt ist
vor ihnen erblaßt. Der Teufel als der Gegengott ist allerdings
nicht ganz so mächtig als der Gott, was ja der dem Christentum
vom Judentum her überkommene Monotheismus, wenigstens in
dogmatischer Hinsicht, nicht zulassen konnte, aber tatsächlich
doch »unter Gottes Zulassung« der eigentliche Herr der
Welt bis zum Tag des endgültigen Gerichts über ihn.
Freilich unterscheidet sich dieser christliche Mythos in wesentlichen
Punkten von den alten, aus freischaffender Phantasie entstandenen und
ihr zur weiteren religiösen Vertiefung überlassenen
Göttermythen. Während letztere ihre Wurzeln in
Naturerscheinungen und Naturvorgänge herabsenkten, deren
Träger eine heroisierte Dämonenwelt wurde – bei den
Griechen ein olympisches Geschlecht seliger Genießer,


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