Köpfe Band I und II - Maximilian Harden - Страница 1 из 548


1910 Der alte Wilhelm Im Herbst 1895 geschrieben.
Das Jubelquartal liegt hinter uns. Nach dem Erntetag von Sedan
wich die Hochsommerhitze, die so rasch den deutschen Waffen die Siege
gereift und gehäuft hatte, und ein neues Ringen begann in der
herbstlichen Landschaft, dessen Preis schwerer noch und nach
längerem Harren erst zu erraffen war. Wohl war das bonapartische
Kaisertum mit dem Glück, das allein es ein Vierteljahrhundert
stützte, zusammengebrochen; mit ungestümer Leidenschaft aber
rief Gambetta, der erste Ritter der romanischen Demokratie, nun das
Volk zu verzweifelter Wehr und von allen Seiten wälzten in
dichten Rotten sich neue Heere heran, Trümmer der alten,
versprengten Armeen, die eilig bewaffnete Schaar der
französischen Jugend und wüstes Gesindel, um der
gefährdeten Hauptstadt rechtzeitig Entsatz zu bringen. Den in der
Geschichte beispiellosen Versuch, eine mit fanatischem Mut verteidigte
Millionenstadt zu belagern, sollte ein Rassenkrieg hemmen, wie ihn, in
dieser wahnwitzig siedenden Wut, die moderne Welt vorher nicht gesehen
hatte. Straßburg fiel, Orleans wurde erstürmt, Soissons
kapitulirte und die Mauern von Metz öffneten sich den deutschen
Truppen; doch Paris hielt noch Stand, und ob von Sieg und
Übergabe auch oft genug frohe Kunde kam; alle Blicke wandten sich
nach Paris und jedes Ohr horchte, hoffend oder angstvoll, auf die
Minute, die den Kanonendonner an der Seine zum Schweigen bringen und


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