Der Krieg um den Wald - Moritz Hartmann - Страница 1 из 225


Kapitel. Die ersten Regierungsjahre der unvergeßlich
genannten Kaiserin Maria Theresia waren für Böhmen eine Zeit
der Drangsale und der schwersten Prüfungen. Abwechselnd in Besitz
genommen und gebrandschatzt von Preußen, Bauern und Frankreich,
und immer wieder erobert von den Kaiserlichen, wußte das Land am
Ende nicht mehr, wem es eigentlich angehörte, wo es Recht suchen
und von welcher der genannten Mächte es Ersatz für den
erlittenen Schaden fordern und erwarten sollte. Dazu kam die
völlige Recht- und Gesetzlosigkeit, die infolge der ewig
schwankenden Zustände eintraten. Die Gutsherren, welche zugleich
die Gerichtsherren waren, hatten für die verschiedenen
Mächte Partei genommen und flüchteten sich, sobald die
feindliche sich näherte, ihre Untertanen der fremden wie der
heimischen Willkür überlassend. Der Bauer war es wieder, der
unter diesen Umständen am meisten zu leiden hatte und in solcher
tollgewordenen Zeit endlich gegen sich selbst zu wüten anfing.
Der Krieg, die Neigung zu Händeln, die böse Lust am Hassen
und an der Zwietracht hatte sich der Geister bemächtigt und
sobald im Tal, im Gebirge ein Landstrich vom Feinde geräumt war,
suchten die Bewohner unwillkürlich und bewußtlos nach
Händeln unter sich, die größeres Unglück
über das Land brachten, als alle äußeren Feinde.
Der Schauplatz einer der merkwürdigsten Kriegsgeschichten dieser
Art waren die Dörfer, die sich zerstreut, nordöstlich von


-10     пред. Страница 1 из 225 след.     +10