Wintergespinst - Moritz Heimann - Страница 1 из 49


Die stillen, unbewegten Novembernebel hatten sich nicht einmal zum
Regen verdichtet; da fegte über Nacht eine rauhe, stürmische
Kälte sie weg. Der bisher zähe, dem Fuß stehende Sand
wurde hart mit allen seinen Erhöhungen und Vertiefungen von
Wagengeleisen und Stapfen von Mensch und Tier. Die wenige
feinzersprühte Feuchtigkeit des Nebels, gefrierend in dem
jähen Kältesturm, sprengte in der obersten Schicht des
Erdbodens; und so lag ein dünner, wie mit engstem Sieb
gebeutelter Staub auf Wegen und Straßen. Zuweilen stieß
ihn und blies ihn der Wind auf, wirbelte ihn durch die trotz der
Kälte nicht klare Luft und schleuderte ihn unbehaglich auf
Mensch, Tier und Baum. Es war eine bösartige Kälte, von
der Sorte, die auf dem Wetterglas ihre Tücken nicht verrät.
Schlich ein Handwerksbursche daher, so hielt er die Hände in den
Taschen bis fast zu den Ellenbogen und klemmte Stock und
Bündelchen an den Leib. Er machte den Hals so kurz wie
möglich und konnte sich nicht helfen, wenn Auge und Nase weinten.
Die Akazie, unter der er dahinstrich, zwickte grade noch seinen
verbeulten Hut, begab sich aber übrigens der Schadenfreude und
stand mit ihren paar schwarzen Blattfächerlein im harten Kummer
da. Wer es besser hatte als der kahle Baum und der kahle Mensch
und im Wagen wohlverwahrt seiner Straße zog, stellte den Kragen
seines Überrockes hoch, daß die Ohren zugedeckt waren, und
freute sich, wenn der Wind ihm die Staubwolke, die die Räder


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