Der Garten des Bösen - Nathaniel Hawthorne - Страница 1 из 409


Übertragen und herausgegeben von
Franz Blei   Mars-Bücher Verlag Martin
Maschler / Berlin Die Blumen des
Bösen Ein junger Mann, namens Giovanni Guasconti, kam vor
langer Zeit aus Süditalien zum Studium nach Padua. Die goldenen
Dukaten klangen nur spärlich in seiner Tasche, und Giovanni bezog
ein hohes, düsteres Zimmer in einem alten Hause, das gut ein
ehemaliger Adelspalast hätte sein dürfen. Und in der Tat:
das Wappenschild einer längst erloschenen Familie war über
dem Portal zu sehen. Der junge Fremde wußte wohl Bescheid in
seines Vaterlandes größter Dichtung, und er wußte,
daß Dante einen Vorfahr dieses Geschlechtes, Bewohner dieses
Hauses vielleicht, teilhaben ließ an den unendlichen Qualen
seines Inferno. Diese Beziehungen und Erinnerungen, im Verein mit der
Neigung zum Weltschmerz, so natürlich bei einem jungen Menschen,
der zum erstenmal heimatlicher Vertrautheit entrissen ward, entlockten
Giovanni einen tiefen Seufzer, als er sich umschaute in dem
trostlosen, schlecht möblierten Raum. »Heilige
Jungfrau,« rief die alte Lisabetta, die sich, gefangen von der
auffallenden Schönheit des Jünglings, freundlich mühte,
das Zimmer wohnlich herzurichten, »solch ein Seufzer aus so
junger Brust! Findet Ihr das alte Haus düster? Dann steckt um
Himmels willen rasch den Kopf zum Fenster hinaus, und Ihr werdet
ebenso hellen Sonnenschein sehen, wie Ihr ihn in Neapel


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