Die Sonne von St. Moritz - Oskar Höcker - Страница 1 из 242


Roman Berlin
Gebrüder Paetel Verlag Der
Gong rief schon das zweitemal zum Lunch. Aber von den Hunderten der
Wintergäste des Grand Hotels St. Moritz, für die in dem
Riesenspeisesaal gedeckt war, fand sich erst ein kleiner Teil ein.
Unpünktlichkeit schien hier Gesetz. Man erlebte jeden Vormittag
wieder den unbegreiflichen Sommer überm Schnee, man sonnte sich,
man lief Schlittschuh oder Ski. Der Lift, der unermüdlich
sämtliche Stockwerke bis zum Hotel-Eisplatz hinabglitt, brachte
noch mit jeder Fahrt ein Dutzend erhitzter Eisläufer herauf. Und
in allen Sprachen schwatzend zogen die Pärchen, die von den
Rodelbahnen kamen, durch das von vier Pagen bediente Glasportal des
Windfangs. In dem Wandelgang, der in halber Höhe an der
Hotelhalle entlang lief, entledigten sich die Ankömmlinge der
hohen Überschuhe und der Bergstöcke. Durch die
mächtigen Spiegelscheiben grüßte die von der Sonne
übergossene Schneelandschaft des Piz Rosatsch herein. In der
Halle wurden Verabredungen für den Nachmittag getroffen, man
überflog noch rasch die neuesten Bekanntmachungen des
Bobrennklubs und der Vergnügungsausschüsse, man
umdrängte den Postschalter. Drinnen im Speisesaal, in den
schmalen Gängen zwischen den blumengeschmückten Tischen,
harrten die Kellner. Unruhig trat der Oberkellner in die Tür. Mit
Verbeugungen, leicht abgetönt zwischen Wohlwollen und Ehrfurcht,


-10     пред. Страница 1 из 242 след.     +10