Der bunte Vogel - Otto Erich Hartleben - Страница 1 из 3


liegt hoch im dunklen Gebirge. Weite Wiesen, auf denen der Klee
wuchert, umgeben sie rings. Die Winde wehen frei über sie hin.
– Die Wiesen senken sich nach allen Seiten, und wo man
auch hinabsteigt, tritt man bald in den schweigenden Wald. Die
Edeltannen sind schwarz und ernst. Heimlich und furchtbar zugleich ist
das Dickicht. Unsichtbar rauschen und murmeln die Bergquellen. Bei
Nacht werden sie lauter. – Ich war ein Kind und kannte nur
die Wiesen und die Stadt. Es war eine kleine Stadt und alle Bewohner
wußten, wer ich war. Sie waren freundlich gegen mich, denn meine
Eltern waren hochangesehen und auch freundlich gegen jedermann. So
durft' ich denn frei spielen überall, auf dem Markt, auf den
Straßen und aus den Wiesen, nur in den Wald durft' ich nicht
hinein: das war mir streng verboten. »Im Wald ist es
kalt,« sagten meine Eltern. Wenn die Sonne auf das Heu
schien und es dörrte, dann stieg ein Duft auf, stark und
süß. Ich lag auf dem Rücken und glaubte ihn
fast zu sehen, wie er sich hob in weißen, zarten Wogen. Ich
griff mit den Händen empor und in mir wurd' es ganz warm vor
Glück. * Das geschah es einmal, daß ich auch so
dalag selig in den stillen Strahlen der Sonne. Da zogen Wolken vom
Walde herauf und drängten sich vor das hohe Licht und ich sah das
Heu nicht mehr duften. Ein Schmerz, wie ich ihn zuvor noch nie
gefühlt, ergriff mich da. Bisher wenn mich etwas gekränkt


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