Schiller - Otto Harnack - Страница 1 из 520


Begeisterung verklärt, steht Schillers Gestalt vor uns. Die
Dankbarkeit seines Volkes hat ihn zur Idealgestalt erhoben, wie es
zuerst sein großer Freund im »Epilog zur Glocke«
getan hatte. »Er glänzt uns vor wie ein Komet
entschwindend, Unendlich Licht mit seinem Licht verbindend.« In
diesem Lichtmeer verschwimmen die individuellen charakteristischen
Züge, und wenn sie aus den historischen Quellen, die uns
vorliegen, wiedererneuert und festumrissen emportauchen, so erscheinen
sie wohl fremdartig und überraschend. Zwischen dem historischen
Schiller und der uns vertrauten Phantasieschöpfung ist der
Ausgleich nicht immer leicht zu finden. Und doch hat die
volkstümliche Meinung im ganzen nicht unrecht; sie hat die
Gesamtsumme dieses Lebens richtig erfaßt und gewürdigt,
wenn sie auch die einzelnen Bestandteile nicht kannte, aus denen es
sich zusammensetzt; sie hat erkannt, daß Schillers
unermüdliche Arbeits- und Kampfesfreudigkeit aus dem
Bewußtsein einer persönlichen, idealen Aufgabe hervorging,
die zu lösen ihm gelang, unter den ungünstigsten
Bedingungen, durch Einsetzen aller Kräfte, bis zum
frühzeitigen Aufzehren, bis zum Opfer seines Lebens. Aber
in den Mitteln dieses Strebens und Kämpfens war Schiller nichts
weniger als der in den Wolken einherfahrende Idealist, als den man ihn
sich gerne träumt. Er sah in der Wirklichkeit des Lebens den
verächtlichen und hassenswerten Feind, der zu überwinden


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