Arsène Guillot - Paul Hansmann - Страница 1 из 70


der Küster machte die Runde, um die verlassenen Kapellen
zuzusperren. Er wollte das Gitter eines jener aristokratischen
Kirchenstühle schließen, wo manche fromme Damen sich die
Erlaubnis, vor den übrigen Gläubigen ausgezeichnet, zu Gott
zu beten, erkauft haben, als er bemerkte, daß noch eine Frau
darinnen war, die, wie es schien, in stille Betrachtungen versunken,
den Kopf auf die Rücklehne ihres Sessels neigte. »Das ist
Frau von Piennes,« sagte er sich, am Kapelleneingange
verharrend. Frau von Piennes war dem Küster gut bekannt. Zu jener
Zeit war es für eine junge, reiche und hübsche Dame der
Gesellschaft, die in die Messe ging, Altardecken schenkte und durch
ihres Pfarrers Vermittlung reiche Almosen spendete, recht
verdienstvoll, fromm zu sein, wenn sie mit keinem Regierungsbeamten
verheiratet, nicht mit der Frau Dauphine verbunden war, und
außer ihrem Seelenheile nichts durch vieles Kirchenbesuchen zu
gewinnen hatte. Und so stand es um Frau von Piennes. Der
Küster hatte große Lust zum Mittagessen zu gehn, denn
solche Leute essen um ein Uhr. Wagte aber die fromme Sammlung eines in
der Pfarrei von Sankt Rochus so geschätzten Wesens nicht zu
stören. Er entfernte sich also, die ausgetretenen Schuhe auf den
Fliesen klappern lassend, nicht ohne die Hoffnung, daß, wenn er
den Rundgang durch die Kirche gemacht, er die Kapelle leer finden
würde. Er war bereits auf der anderen Chorseite, als eine


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