Die Venus von Ille und andere Novellen - Paul Hansmann - Страница 1 из 194


stieg ich hinunter und wiewohl die Sonne schon untergegangen war,
unterschied ich in der Ebene doch die Häuser der kleinen Stadt
Ille, auf die ich zuwanderte. »Sonder Zweifel wißt
Ihr,« sagte ich zu dem Katalonier, der mir seit dem Vorabend als
Führer diente, »wo Herr von Peyrehorade wohnt?«
»Ob ich's weiß!« rief er, »sein Haus kenn' ich
wie meins; und wenn's nicht so dunkel wär', würd' ich's Euch
zeigen; es ist das schönste in Ille. Ja, der hat Geld, der Herr
von Peyrehorade; und seinen Sohn verheiratet er mit einer, die noch
viel reicher ist.« »Und die Heirat findet bald
statt?« fragte ich ihn. »Bald! Vielleicht sind die
Hochzeitsgeiger schon bestellt. Heute Abend, morgen, übermorgen,
was weiß ich? In Pygarrig findet sie statt; denn Fräulein
von Pygarrig heiratet der Herr Sohn. Da wird's sein werden, ja!«
Von meinem Freunde M. von P.... war ich an Herrn von Peyrehorade
empfohlen worden. Das ist, hat er mir gesagt, ein sehr unterrichteter
Altertumsforscher von beispielloser Gefälligkeit. Freude
würde es ihm machen, mir alle Ruinen zehn Meilen in der Runde zu
zeigen. So rechnete ich denn auf ihn für den Besuch der Umgebung
von Ille, die ich reich an römischen und mittelalterlichen
Kunstdenkmälern wußte. Die Heirat, von der man mir jetzt
zum erstenmal erzählte, würde alle meine Pläne
über den Haufen werfen. Ein Störenfried werd' ich sein,
sagte ich mir. Doch wurde ich erwartet, und da ich von M. von P....


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