Am Tiberufer - Paul Heyse - Страница 1 из 81


die Sonne, die hinter dem Nebel stand, hatte nur einen geringen Streif
am Fuß der Höhen weggeschmolzen. Aber die Oede der Campagne
grünte wie Frühling. Nur die gelichteten Zweige der
Oelbäume, die hie und da in Reihen die gelinden Senkungen der
Ebene hinab stehen oder eine einsame Capanne umgeben, und das niedere
Gestrüpp, das bereift an den Straßen wuchert, empfanden den
Winter. Um diese Zeit sind die zerstreuten Heerden in die Hürden
nahe bei der Hütte des Campagnuolen gesammelt, die
gewöhnlich, im Schutz eines Hügels errichtet, mit Stroh bis
auf den Boden dürftig genug vor dem Wetter verwahrt ist, und wer
von den Hirten zu singen oder Flöte und Sackpfeife zu spielen
versteht, hat sich aufgemacht, in Rom nachzügelnd als Pifferaro,
den Malern zum Modell zu dienen, oder mit anderm Erwerb das arme,
frierende Leben zu fristen. Herren der Campagne sind nun die Hunde,
die in großen Rudeln die verlassene Weite durchstreifen, vom
Hunger verwildert, von den Hirten nicht mehr streng bewacht, deren
Armuth sie nur zur Last fallen. Gegen den Abend, als der Wind
stärker wurde, schritt ein Mann durch die Porta Pia und wanderte
den Fahrweg zwischen den Landhäusern hin. Der Mantel hing ihm
nachlässig um die starken Schultern und der breite graue Hut
saß tief im Nacken. Er sah nach den Bergen hinüber, bis der
Weg tiefer ward und nur ein geringes Stück der Ferne zwischen den
Gartenmauern durchblickte. Die Enge schien ihn zu beklemmen. Er verlor


-10     пред. Страница 1 из 81 след.     +10