Anfang und Ende - Paul Heyse - Страница 1 из 52


Fensternische des lichterhellen Saals brannte nur eine einzelne Kerze
auf silbernem Leuchter, den eine geflügelte Figur mit beiden
Armen emporhielt. Der bescheidene Glanz wurde noch gedämpft durch
schattige Gewächse mit breiten Blättern und den letzten
Blüten des Jahres, und eine schlanke Palme überwölbte
zierlich mit ihren leichten Zweigen den Eingang in die dämmrige
Laube. Zwei Sessel standen darin traulich einander gegenüber.
Aber der eine war leer. In dem andern ruhte eine schlanke
Frauengestalt, das Haupt auf die Hand gestützt, die Augen
geschlossen. Wer sie im Verdacht hatte, daß sie sich aus der
muntern Gesellschaft in dies grüne Versteck zurückgezogen
habe, um nur desto mehr bemerkt und aufgesucht zu werden, that ihr
Unrecht. Sie dachte durchaus nicht daran, wie zart das Helldunkel der
Palme über ihre schöne Stirne fiel, wie weich und
mondscheinhaft der Schein der Kerze in den Ringen ihres schwarzen
Haares spielte. Noch auch benutzte sie, während am andern Ende
des Saals eine sanfte Mädchenstimme zum Klaviere sang, die
verstohlene Einsamkeit dazu, Gedanken nachzuhängen, wie sie wohl
in der Sommerblüte des Lebens hinter geschlossenen Augenlidern
ihr Wesen treiben. Denn, um es kurz zu sagen: die Musik, der sie
Anfangs mit halbem Ohr gefolgt war, hatte sie endlich wie ein
müdes Kind in Schlaf versenkt. Auch erwachte sie nicht, als
das Lied zu Ende war, die alten Herrn ihr aufmunterndes Bravo riefen,


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