Barbarossa - Paul Heyse - Страница 1 из 49


ich droben in den Bergen bleiben wollen, und aus dem einen Tag wurden
zwei Wochen, die mir in dem hochgelegenen, verfallenen Nest auf der
Grenze des Albaner- und Sabinergebirgs – den Namen darf ich
nicht nennen – rascher vergingen, als oft im bunten
Getümmel großer Städte. Was ich eigentlich den lieben
langen Tag anfing, wüßte ich kaum zu sagen. In Rom hatte
mich ein Heißhunger nach Einsamkeit überfallen; den konnte
ich hier stillen, nach Herzenslust. Es war im ersten Frühling,
das Laub der Kastanien glänzte in der üppigsten Frische, die
Schluchten waren voll Vogelgesang und Quellenrauschen, und da erst
kürzlich eine große Räuberbande, die diese
Wildniß unsicher gemacht, zum Theil aufgehoben, zum Theil in die
Abruzzen gejagt worden war, konnte ein einsamer Wanderer die
verlorensten Klippenwege sorgenfrei erklettern und sich ungestört
den tiefsinnigsten Betrachtungen hingeben. Mit den deutschen
Malern, die in ansehnlicher Zahl die beiden elenden Herbergen des
Städtchens bevölkerten, hatte ich jeden Verkehr von
vornherein vermieden, und das Bedürfniß, dann und wann
seine eigene Stimme zu hören, das auch den Einsiedler treibt, mit
seinen Haustieren zu plaudern, befriedigte ich zur Genüge im
eigenen Hause. Ich wohnte nämlich bei dem Apotheker des Ortes,
der mit meinem sehr mangelhaften Italienisch die größte
Nachsicht hatte. Er entschädigte sich freilich für seinen
Aufwand an Geduld, indem er die meinige häufig mißbrauchte;


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