Beatrice - Paul Heyse - Страница 1 из 82


Nacht hinein geplaudert, unser drei, bei einigen Flaschen Astiweins,
die wir durch einen glücklichen Zufall aufgetrieben hatten und
nun im kühlen Gartenhaus auf das Wohl des eben aus Italien
heimgekehrten Freundes leerten. Er war der älteste von uns und
schon ein fertiger Mann, als wir ihn vor zwölf Jahren auf einer
Reise im Süden kennenlernten. Auf den ersten Blick hatte uns
seine männliche Gestalt, der Adel seines Wesens und eine gewisse
melancholische Anmut seines Lächelns für ihn eingenommen.
Sein Gespräch, seine ungewöhnliche Bildung und die
Bescheidenheit, mit der er sie geltend machte, gewannen uns vollends,
und die drei Wochen, die wir miteinander in Rom zubrachten,
befestigten eine so warme Freundschaft, wie sie nur je zwischen
Ungleichaltrigen bestanden hat. Dann mußte er plötzlich
nach Genf, seiner Heimat, zurück, wo er an der Spitze eines
ansehnlichen Handlungshauses stand. Aber in den folgenden Jahren
hatten wir keine Gelegenheit versäumt, uns wiederzusehen, und
auch jetzt war ihm der Umweg über unsere Stadt nicht zu weit
gewesen, um uns wenigstens auf vierundzwanzig Stunden zu
begrüßen. Wir fanden ihn in seinem Aussehen
unverändert; er war noch immer ein schöner Mann, das Haar
kaum mit dem ersten Grau angesprengt, die hohe Stirn glatt und
weiß. Aber er schien uns schweigsamer als bei unserem letzten
Begegnen, manchmal so in sich versinkend, daß er unsere Fragen
überhörte, während er minutenlang unverwandt die Perlen


-10     пред. Страница 1 из 82 след.     +10