Crone Stäudlin - Paul Heyse - Страница 1 из 311


Teile eines mitteldeutschen Berglandes einige hundert Meter über
dem offenen Talgrunde erhöht, breitet sich eine große ebene
Grashalde aus, wie eine freie Stufe, auf der der Berg vor seinem
weiteren Anstieg sich ausgeruht hat. Hier hatten vor langen Jahren
die Ackerbürger, die das unten gelegene alte Städtchen
bewohnten, ihr Vieh übersommert, bis der Reichste unter ihnen,
der Wirt und Posthalter, den ganzen Wiesengrund, den zu umwandern man
fast eine halbe Stunde brauchte, zu seinem alleinigen Eigentum
erworben und an der Stelle der ehemaligen Hirtenhütte ein
großes Haus hatte aufführen lassen, zwar außer dem
Erdgeschoß nur ein Stockwerk hoch, doch geräumig genug, um
Sommergäste zu beherbergen, die hier die heißen Monate
überdauern oder Ausflüge zu den höheren Punkten des
Waldgebirges machen wollten. Die langgestreckte freie Hochebene, auf
der jetzt nur noch die Kühe und Pferde des Eigentümers
weideten, war so ausgedehnt, daß noch zwei andere Häuser
von zugewanderten Fremden in ziemlichen Abständen darauf Platz
gefunden hatten. Wer aus ihren Fenstern über die Wipfel des
Buchenwaldes, der von unten bis zum Rande des Plateaus hinaufreichte,
nach Süden schaute, konnte seine Augen an dem hellen Talgrunde
weiden, wo grüne Wiesen mit buntfarbigen Kornfeldern
abwechselten. Fern am Horizont streckten sich niedrige
Höhenzüge, mit dunklen Fichten bestanden, wie auch das
höhere Gebirge fast nur Nadelholzwälder trug. Diese hielten


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