Das Glück von Rothenburg - Paul Heyse - Страница 1 из 65



Es war am Osterdienstag. Die Menschen, die das
Auferstehungsfest durch einen Ausflug ins Freie, in den lustig
aufblühenden Frühling hinaus gefeiert hatten, strömten
in ihre Häuser und zu den Werktagsmühen, die morgen wieder
beginnen sollten, zurück. Alle Landstraßen wimmelten von
Fuhrwerken und Fußwanderern, die Eisenbahnen waren trotz
eingelegter Extrazüge überfüllt, denn eines so
lieblichen und beständigen Osterwetters konnte man sich seit
vielen Jahren nicht erinnern. Auch der abendliche Schnellzug,
der auf dem Ansbacher Bahnhof in der Richtung nach Würzburg zum
Abgang bereit stand, war doppelt so lang als in gewöhnlichen
Zeiten. Dennoch schien er bis auf den letzten Platz gefüllt zu
sein, da ein Nachzügler zweiter Klasse, der in der letzten Minute
noch unterzukommen suchte, vergebens an allen Türen anklopfte, in
alle Coupés hineinsah und überall nur einem mehr
oder minder unwilligen oder schadenfrohen Achselzucken begegnete.
Endlich faßte der Schaffner, der ihm zur Seite ging, einen
raschen Entschluß, öffnete ein Coupé erster Klasse
und schob den Spätling in den dämmernden Raum hinein, die
Türe hastig zuschlagend, da eben der Zug sich in Bewegung setzte.
Eine einzelne Dame, die in der entgegengesetzten Ecke wie eine
schwarze Eidechse in sich zusammengeschmiegt geschlummert hatte, fuhr


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