Der Kinder Sünde der Väter Fluch - Paul Heyse - Страница 1 из 137


gewaltigen Erdsturz die alte Maja verschüttet und den
Abhang gegründet hat, auf dem jetzt die Häuser und
Weingärten von Obermais stehen, geht eine tiefe Schlucht
östlich von Meran in das Etschthal hinab. Der Wildbach,
der sie durchströmt, ist den größten Theil des Jahres
hindurch eine kümmerliches Wasser, das im Hochsommer zwischen
Gestein und gelbem Sand vollends versiegt, so daß sein tiefes
Bett so gefahrlos zu betreten ist, wie droben die hochgeschwungenen
hölzernen Brücken. Wenn im Frühling der Schnee
jählings ins Thauen kommt, füllt sich auch die Rinne der
Naif mit einem trüben Schwall, in dem keine Fische athmen
mögen. Weiter ins Jahr hinein aber, bei starkem Ungewitter,
Hagelschlag und Orkan, scheint sich alle Wuth der Elemente in dieser
einsamen Schlucht zu sammeln. Dann lösen sich die zähen
Erbmassen, mit denen das Granitgerippe des Ifinger umkleidet ist, in
einen dunkelbraunen Schlamm, den die Quelle der Naif mit Ungestüm
fortwälzt; große Felsblöcke, Bäume und
Rasenstücke folgen dem Sturz, mit immer wachsendem Getöse
stürmt der Höllenbrei aus der Enge ins bewohnte Thal hinaus,
und über eine Stunde weit hört man den donnernden Fall und
spürt das Beben der Erde. Wenn es Nachts geschieht, wachen die
Bauern weit und breit davon auf und horchen ängstlich hinaus. Die
Naif kommt! sagen sie und beten. Die aber zunächst wohnen lassen
es nicht beim Beten bewenden, stürzen aus den Betten ins Freie,


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