Die Einsamen - Paul Heyse - Страница 1 из 41


heftige Südstürme das Meer erschüttert, auf dem hohen
Felsenufer Sorrents mit Frühlingsungestüm den Saft in den
Feigenbäumen aufgerüttelt und den Boden mit fruchtbaren
Regenschauern gepflügt. Manche wollten ein gärendes Murren
im Innern des Vesuv vernommen haben und weissagten einen nahen
Ausbruch. Auch schienen öfters die Häuser bis in die
Grundfesten zu wanken, und nachts hörte man ein drohendes Klirren
der Geräte, die im Schrank nahe beieinander standen. Als aber am
letzten April die Sonne endlich über den Aufruhr Herr wurde,
standen die kleinen Städte auf der Ebene von Sorrent unversehrt
zwischen ihren Wein- und Orangengärten, der Felsengrund hatte
sich nicht aufgetan, sie zu verschlingen, und dem tosenden Meer war
das Ufer dennoch zu hoch gewesen, um hinaufbrandend alles, was
Menschen seit Jahrhunderten gepflanzt, in die Tiefe zu reißen.
Am Nachmittage dieses letzten April, der zugleich ein Sonntag war,
verließ ein deutscher Poet – sein Name tut nichts zur
Sache – das Haus, in dem er sehr wider seine Neigung durch den
Sturm war gefangen gehalten worden. Tagelang hatte er vom Fenster aus
über das Meer gestarrt, den Mantel um die Knie geschlagen, denn
der Steinboden seines Zimmers hauchte eine empfindliche Kälte
aus, den Hut auf dem Kopf, ein Glas Wein nach dem anderen
hinabschlürfend, ohne ein Wärmegefühl in sich erwecken
zu können. Der kleine Büchervorrat, der ihn auf der Reise


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