Die Pfadfinderin - Paul Heyse - Страница 1 из 96


Thäler gewandert, unter einem verdrossenen, bleifarbenen
Herbsthimmel, zwischen dunklen, unabsehlichen Fichtenwäldern, in
denen sich wenig Lebendiges regte, als hie und da ein paar schweigsame
alte Leute an einem Kohlenmeiler, oder Holzknechte, die das
Flößergeschäft besorgten und ebenfalls nicht redselig
aufgelegt waren. Auch der Fluß, der mich Anfangs mit munterm
Rauschen begleitet hatte, floß endlich träger und
mürrischer, als habe er gemerkt, daß wir Zwei uns nicht
verständigen konnten. So war ich froh, als er gegen Abend eine
starke Biegung machte und in einen weiten, lachenden Thalgrund
einlenkte, wo links und rechts auf den Hängen, die in breiten
Stufen hinanstiegen, helle Laubbäume im letzten Tageslichte
standen und kleine Gehöfte überall zerstreut aus den Wiesen
hervorsahen. Tiefer hinab schien ein großes Dorf sich um einen
alten Herrensitz zu lagern, aber so von den Wipfeln der Kastanien- und
Nußbäume überragt, daß selbst der Kirchthurm
dahinter verschwand. Die Luft, die in der feuchten Enge der Schlucht
beklommen und streng gewesen war, milderte sich hier plötzlich.
Es wurde mir auf einmal leicht ums Herz, und ich stand
unwillkürlich still, um all das Erfreuliche, das da vor mir
ausgebreitet war, erst im Ganzen zu genießen, eh' ich es
Stück für Stück in Besitz nahm. Zur Linken, etwa
dreißig Schritt von der Stelle, wo der Fluß sich wendet,
lag eine große Schneidemühle, der gegenüber sich ein


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