Gedichte - Paul Heyse - Страница 1 из 6


Stündlein. Dulde, gedulde dich fein!
Über ein Stündlein
ist deine Kammer voll Sonne.
Über den First, wo die Glocken hangen,
ist schon lange der Schein gegangen,
ging in Türmers Fenster ein.
Wer am nächsten dem Sturm der Glocken,
einsam wohnt er, oft erschrocken,
doch am frühsten tröstet ihn Sonnenschein. Wer in
tiefen Gassen gebaut,
Hütt' an Hüttlein lehnt sich traut,
Glocken haben ihn nie erschüttert,
Wetterstrahl ihn nie umzittert,
aber spät sein Morgen graut. Höh' und Tiefe hat Lust
und Leid.
Sag ihm ab, dem törigen Neid:
andrer Gram birgt andre Wonne. Dulde, gedulde dich fein!

Über ein Stündlein
ist deine Kammer voll Sonne. Auf der Heimfahrt.
Es steht ein Haus im Garten,
kühl an ein Wäldchen angelehnt.
Auf allen meinen Fahrten
hab' ich nach ihm mich heimgesehnt.
Wie süß erklang
dort Vogelsang,
wie lachten Blumen ringsumher!
Wie ging's im Lauf
die Stieg' hinauf--
Nun graut mir vor der Wiederkehr. Im Haus, da ist ein Zimmer,

so luftig hoch, so blank und rein.
Was nur an Sonnenschimmer
ums Häuschen streifte, drang herein.
Wie lustig klang
dort Kindersang,
kein Winkel war von Spielen leer;
dort fand ich Rast


-10     пред. Страница 1 из 6 след.     +10