Gegen den Strom - Paul Heyse - Страница 1 из 280


Klostergeschichte Erstes Kapitel. Es war zu Anfang der
Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Am Nachmittag eines
heiteren Apriltages fuhr der alte gelbangestrichene Omnibus des
Gasthofs »Zum blauen Engel« von dem Stationshäuschen
der Lokalbahn nach der kleinen Stadt Windheim, die in einer
weitgedehnten Tiefebene seit Menschengedenken weltentrückt sich
eines idyllischen Daseins erfreute. Ein breiter Chausseedamm,
über dem Moor und Heideland etwas erhöht, mit Pappeln und
Ebereschen eingesäumt, verband das Bahnhöfchen mit der
Stadt, die etwa zehn Minuten entfernt lag. Es war nicht ratsam
erschienen, mit der Bahn näher heranzurücken, da der Grund
weit umher sumpfig war und durch Überschwemmungen zuweilen
völlig unter Wasser gesetzt wurde. Denn an der Ostseite, nah am
Mauerring, strömte ein ziemlich breiter Fluß von Norden her
an dem alten Nest vorbei. Nach der Stadtseite wurde seinem
Übertreten durch einen ziemlich hohen Uferdamm gewehrt,
während rechtshin die Wiesen ohne einen solchen Schutz bis an den
Fluß herantraten. Nur krüppelhafte Weiden bildeten hier
eine Art Brustwehr, und stellenweise hatte man, wo es am dringlichsten
war, die Lücken zwischen ihnen mit Faschinengeflecht
notdürftig ausgefüllt. In dem Omnibus, der
schläfrig auf der gutgehaltenen Fahrstraße hinschwankte,
saßen nur zwei Reisende, eine schöne, noch jugendliche Dame
in einfachem Reiseanzug vom elegantesten Zuschnitt und ein junger


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