Kleopatra - Paul Heyse - Страница 1 из 84


durchwandert, deren Paläste mitten in die Waldstille des alten
Berliner Tiergartens alle Schätze der Kunst und des Reichthums
verpflanzt haben, bemerkt noch hie und da in der Reihe der
glänzenden Villen neuesten Datums eines jener älteren
Landhäuser bescheidneren Stils, die nicht auf den Prunk gebaut,
meist von der Straße etwas zurückgezogen, unter dem Schutz
alter Ahorn- und Akazienbäume liegen und es verschmähen, mit
Springbrunnen und Statuen den Vorübergehenden anzulocken. Ein
starkes Eisengitter trennt den wohlgepflegten Rasen mit wenigen
Blumengruppen von dem Fahrweg. Erst hinter dem Hause ist es dem
Gärtner erlaubt, seine Kunst zu zeigen und den seltneren Flor der
Treibhäuser um die Veranden und Ruhesitze anzubringen, dem echt
aristokratischen Grundsatze getreu, daß der beste Geschmack
darin bestehe, »nicht aufzufallen«. Vor einem dieser
seltnen Häuser aus der guten alten Zeit hielt eines schönen
Sommerabends ein eleganter Wagen, aus dem ein junges Paar leicht
heraussprang, um dann einer schwerfälligen alten Dame sorgsam den
Arm zu bieten. Draußen am Gitter waren müßige
Nachbarn stehen geblieben, um die Herrschaften aussteigen zu sehn; man
konnte aus ihren Reden erfahren, daß der stattliche junge Herr
mit dem leichten Bärtchen und dem dichten krausen Haar ein
Freiherr von L., die blonde junge Dame seine Cousine und Braut, und
die ältere ihre Pflegemutter, ein hochadliges Fräulein sei,


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