Maria Francisca - Paul Heyse - Страница 1 из 74


sommerheißen Tag in der engen, trägen Postkutsche fast ganz
verschlafen. Denn die Fenster waren zu schmal, um uns bequem an den
wolkenlosen Linien des Gebirges, dem wir entgegenfuhren, zu weiden,
und Sonnenbrand und Staub hatten das flache Vorland seit Wochen
übel heimgesucht. In einer Art von trotziger Müdigkeit und
wehmütiger Verstocktheit aller Sinne saß mein Freund, der
Maler, mir gegenüber, und mit einem kräftigen Freudenfluch
sprang er Abends aus dem schwülen Kasten, als wir vor dem
Posthause des letzten Städtchens an der Schwelle des Gebirges
hielten. Er warf seinen Mantelsack neben den meinigen in einen Winkel
der Gaststube und zog mich sogleich wieder auf die kühle
Straße hinaus. Der Ort hatte jenes gemischte Ansehen, wie
man es nur bei solchen an das Vorgebirge gerückten Vorposten der
Ebene findet. Die Häuser zeigten sich gegen das Hochlands-Klima
wohl verwahrt, manche ganz in einen Schuppenpanzer von Schindeln
gekleidet, die Dächer mit Felsstücken beschwert, andere
wiederum mit aller flachen Zierlichkeit großstädtischer
Bauten ausgerüstet. Mitten aber durch die Stadt lief ein rascher
Bach, so klar, daß wir der Lockung nicht widerstanden, die
staubigen Hände darin zu kühlen. Dabei nahm sich mein Freund
sehr befremdlich und gefährlich aus, da ihm beim Bücken die
Haare tief übers Gesicht fielen und mit dem Bart zusammenflossen,
wie ein mächtiger Stromgott, von dessen Haupt und Angesicht die


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