Gedichte in Prosa - Peter Hille - Страница 1 из 3


Wandervögel ziehen in hohen, langhingewellten, schwarzen
Geschwadern durch die grauen Lüfte. Und bisweilen tönt aus
unsichtbaren Höhen die Stimme des Herbstes, des
Bußpredigers da oben, des ernsten Himmels, wie ein Anruf von
dannen, ein Sammeln und ein Ziehen, herb und verhallend. Auch die
Fremden zogen von dannen. Nur die Sinnigen blieben, die es gerne
haben, wenn es ernster und versunkener wird in ihrer Seele wie in der
großen Natur. Aber auch die Natur will allein gelassen sein,
wie laut Detlev von Liliencron der Adel von Holstein. Und da ihr das
zu lange dauert, eh alles geräumt ist, so greift sie selbst zu
und bricht das Gerümpel ab, damit man es den Fremden in seiner
unmittelbaren Nähe gemacht hat. Da schwimmt hier eine Treppe,
da ein Pfahl, nun bohrt sich eine Laufplanke, mit Leinwand bezogen zum
Schutz der zarten Damenfüße, mit Stürmerwucht in den
tannenglatten Strand. Der rostentblätterte Anker ist fast ganz
eingeschwemmt, an seinen noch freien herzförmigen Zacken
hängen wie wilde, welke, vom Leben losgerissene Kränze
gelber Verzweiflung, Büschel lohenden Tanges und bläulich
angelaufene Stranddisteln. Das Wrack aber, das seit den
Frühlingsstürmen hier festliegt, ist wieder lebendig
geworden und führt den Vorgang seines Untergangs noch einmal auf:
es schluckt eine Sturzsee nach der anderen und gibt sie durch die
lecken Planken seines Rumpfes dem bis auf etwa zehn Minuten hinein
sandgelben Strandmeer wieder. Sprühgebüsche stieben


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