Kinderliebe - Peter Hille - Страница 1 из 6


Anpflanzungen und spielartig aus der Fläche heraufgeschaufelten
Gräbern hat für die Kinder etwas Anheimelndes. Nun ist
gar noch ein Brunnen da, aus dem der Gärtner des Todes an einer
Welle das Wasser aufwindet, mit dem er Blumen und Sträucher
erfrischt. Da sitzen die Kinder gern und schneiden mit
großem Ernst sich im Wasser langsame Fratzen. Paul und
Mariechen! Oft hocken sie hier, schon bei blassem, eben vom
Schüttelfrost des Winters genesenem Sonnenschein. Klein
Mariechens Vater ist Arzt und hält den Drang der Kinder ins Freie
für ein Naturgesetz, das ihnen nicht verkümmert werden darf,
für einen Instinktschrei, der gehört werden muß von
einsichtiger Aufsicht. Und so wuchsen sie neben einander auf, von
Tag zu Tag, bei ungeberdiger Witterung im lau, wie ein Bad geheizten
Kinderzimmer, sonst hier draußen, immer aber unter den
hütenden, Maschen und Schützlinge unter einen Blick
nehmenden Augen einer stillstrickenden, gütesinnenden Tante.
Regte sich auch bisweilen leise Ungeduld bei ihnen oder gelüstete
es ihre kleine, schelmische Schlauheit nach einem leider alsbald
ertappten Triumphe: im Grunde fühlten sich beide unter dieser
Obhut recht sicher und angenehm: es war das so eine Art
göttlicher Vorsehung ins Irdische übersetzt, eine
Schutzengelschaft mit einer Haube auf. Und bisweilen nahm dieser
Schutzengel so ein rosiges, frischgetüpfeltes, weißkerniges


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