Aspasia - Robert Hamerling - Страница 1 из 892


Liebesroman aus Alt-Hellas Vorwort.
Wenn dieser Roman, einem vielcitierten kritischen Mahnworte unserer
Zeit entsprechend, ein Volk – das alt-hellenische –
»bei seiner Arbeit aufsucht«, die weltgeschichtliche
Arbeit des Hellenenvolks aber eine Künstler-, eine Dichter- und
Denkerarbeit war, wird dieser Art von Arbeit und ihrer Schilderung
nicht etwas Gedankenhaftes, Lehrhaftes anzukleben scheinen? Wird sie
an frischem Reize des Eindrucks nicht zurückstehen hinter den
Bildern, welche aus dem Borne eines naiven, urwüchsigen, in der
Tatkraft aufgehenden, poetisch vielleicht noch gar nicht
ausgenützten Lebens geschöpft sind? Und mußte ein
solcher Versuch, so gut wie auf den Reiz des Naiven,
Naturwüchsigen, nicht andererseits auch wieder verzichten auf den
Reiz des in modernem Sinne Geistreichen, des realistisch-Pikanten, auf
die bunten, grellen Lichter der heutigen Dichtung? Durfte hellenisches
Leben anders dargestellt werden als mit hellenischer Einfachheit? Und
durfte der Darsteller nach anderem trachten, als nach einem Hauche
hellenischen Geistes, hellenischer Anmut? – Ist es
nicht überhaupt bedenklich, untergegangenes Leben zu schildern?
Detailmalerei des modernen Lebens wird als anziehender Realismus der
Darstellung gepriesen; die des antiken wird auf viele den
fröstelnden Eindruck der Gelehrsamkeit machen. In der Tat, wer
dieses Werk nur flüchtig durchblättert, merkend, daß


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