Dr. Thorns Lebensabend - Rudolf Hawel - Страница 1 из 427


werde ich wieder jung werden«, erklärte Dr. Thorn seinen
Bekannten unzählige Male. Er meinte mit dem
»dann« jene schöne, von ihm so heißersehnte
Zeit, da er aus den Händen seines Chefs den bewußten
»blauen Bogen« erhalten werde. »Ich bin ja
nicht wie die anderen«, pflegte er hinzuzusetzen, »die
nicht aufhören können, sich im Dienste des Molochs Staat
ewig abzurackern, weil sie sonst nicht wüßten, was sie mit
der freien Zeit anfangen sollten. Wenn ich einmal pensioniert bin,
werde ich alle Hände voll zu tun haben. Denn dann habe ich wieder
Arbeit übergenug, wieder ein neues, schönes Amt, von dem ich
hoffentlich erst in späten Jahren enthoben werde.«
Und wie ein seliges Kind plauderte er dann von allem, was er
während dieser köstlichen, von keinem Amte bedrängten
Zeit schaffen werde, von der Neuordnung seiner Sammlungen, von seinem
Garten mit dem herrlichen Rosenflor, von den Hasen, Rebhühnern
und Rehböcken in seinem Jagdrevier, von den Forellen in seinem
Gebirgsbach und von tausend und abertausend anderen Dingen, mit denen
er sich beschäftigen wird, nicht um des Broterwerbes willen,
sondern einzig zur Freude seines Herzens. Im Amte drinnen hatten
sie den alten fröhlichen Herrn sehr lieb. Das kleine
Männchen mit dem roten, lustigen Gesichte verbreitete um
sich her einen warmen Schimmer von Behaglichkeit; selbst der alte
Oberoffizial sah um eine Nuance weniger griesgrämig drein, wenn


-10     пред. Страница 1 из 427 след.     +10