Hanseaten - Rudolf Herzog - Страница 1 из 471


Kröner zu eigen  I. Der Tag brach an.
Es war wie ein Auftakt, den nur das Ohr vernahm. Das Auge
gewahrte nichts. Es ahnte nur in dem gleichförmigen Grau, das das
schwimmende und landfeste Hamburg wie Zwillingsbrüder
aneinanderpreßte, eine dunklere unruhige Linie im Hafenviertel.
Nun ein Pfiff, gellend an zehn, zwölf Stellen beantwortet,
stoßweise durch den Nebel sich ringend und wie ein
Gelächter über dem Hafen zerflatternd. Die dunkle Linie
teilt sich fächerförmig, gerät in schnellere Bewegung,
knäult sich an den Endpunkten zusammen, stockt und fließt
jäh auseinander. Als hätte sie das Hafenwasser aufgesogen.
Und es hatte sie aufgesogen, sich mit ihrem Leben
durchtränkt. Das Gemurmel von Menschenstimmen mischt sich mit dem
leisen Klatschen des Wassers, das plötzlich in kleinen, lustigen
Sprüngen die Kaimauer beleckt; hastig, ein wenig atemlos, die
Vorsetzen entlang, links und rechts zu den Liegeplätzen der
mächtigen Dampfer, der hochbordig geisternden Segelschiffe, durch
die Flußschiffhäfen und um die schwerfälligen
Oberländerkähne herum, in die Kanäle und Fleete hinein,
zu den breitkrempigen Schuten, die mit hungrigen Mäulern zu den
Winden und Kranen der fünfstöckigen Speicherhäuser
hinaufglotzen. Derselbe Ton hier und dort und überall, dasselbe
eilige Flüstern, derselbe kurze Zuruf: »Sie sind da! Sie
sind auf dem Wasser! Der Tag hat begonnen.« ... Noch immer


-10     пред. Страница 1 из 471 след.     +10