Jungbrunnen - Rudolf Herzog - Страница 1 из 252


Frau Paula Kröner zu eigen Neige dein Ohr
und horch in dich hinein ...
Es tobt die Welt, es flammt der Wetterschein,
Und über unsre Schultern geht ein Schaudern.
Horch, horch in dich hinein...
Es schweigt der Schmerz,
Ein Brunnen rauscht – es ist dein eigen Herz–
Und füllt dich ganz mit seinem süßen
Plaudern ...
Ein Liedklang webt – ein Kinderlachen schallt–
Und du bist jung, und nur die Welt ist alt.
Jungbrunnen Regungslos stand er, beide Hände um
die Krücke seines Wanderstocks gefaltet, und blickte ins
Rheingau. Die Nachmittagssonne lag breit über dem Strom, blitzte
und funkelte rheinauf und rheinab und warf dem stillen Beschauer eine
Flut von Licht in die Augen. Doch die hellen Augen in dem
dunkelgebrannten Gesicht schienen an schärfere Sonne gewöhnt
zu sein als die Maiensonne des Rheingaus. Nur die Brauen rückten
ein wenig näher zusammen, als ob sie den gesammelten Blick
schirmen und eine Störung ablehnen müßten. Mit
bloßem Kopfe stand er und trank das blühende Land zu seinen
Füßen in sich ein. Die weiche Frühlingsluft strich
durch sein braunes Haar, den kurzen braunen Bart. So zärtlich,
als ob sie ihn nur wissen lassen wollte: ich bin da...
›Nein‹, glitt es ihm durch sein Empfinden,
›verwöhnt bin ich nicht ...‹ und dann umspannten


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