Mis Chindli - Sophie Haemmerli-Marti - Страница 1 из 33


Mit einem Vorworte von Prof. Dr. Jost Winteler (1846–1929)
Erstausgabe 1896   Digitalisat der 5. Auflage von
1926,
erschienen bei «Verlag von Rascher & Cie. A.-G.»

Neu gesetzt durch Robin Schwab Vorwort Ohne Frage
ist die neuhochdeutsche Schriftsprache gegenwärtig bestrebt, sich
ein höheres Mass von Einheitlichkeit, weltmännischem Schliff
und Geschmeidigkeit anzueignen. Es versteht sich das aus der in den
politischen Verhältnissen liegenden Anforderung an sie,
womöglich nicht bloss, wie bisher, eine Sprache für Dichter
und Denker zu sein, sondern eine solche für den Weltverkehr zu
werden. Sie sucht nachzuholen, was ihr das französische Idiom
seit den Zeiten Richelieus vorgetan hat und was vor mehr als hundert
Jahren die Gottschede und Wielande nur beginnen, unmöglich auch
schon vollenden konnten. Die Berechtigung solcher Bestrebungen
bestreiten, hiesse die Gegenwart gründlich missverstehen. Aber an
derselben Gegenwart auf französischem Gebiete, wo umgekehrt die
Sprache ihr höfisches Gewand jetzt abzustreifen trachtet,
können wir auch lernen, dass die Richtung auf Glätte,
Salonfähigkeit, Witz und Glanz des Ausdrucks ihre Gefahren birgt
und zur Einseitigkeit führt. Die deutsche Sprache hat viel zu
viel Anlage für Innerlichkeit, Natürlichkeit und Eigenart,
als dass sie ohne Schaden für das, was den Kern ihres Wesens und
ihren Beruf ausmacht, es vertrüge, nur in jener Richtung


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