Über die Ehe - Theodor Gottlieb von Hippel - Страница 1 из 82


die Ehe Hört, Leute, folgendes sagt Susarion:
Ein Übel sind die Frauen.
Ein Übel ist aber auch ein Haus ohne Frau.
Verheiratet oder nicht verheiratet zu sein
ist also gleichermaßen von Übel.
Vorbericht »Ein Sohn oder eine
Tochter?« fragt der Vater die Hebamme, wenn seine Frau zum
erstenmal ins Wochenbett gekommen ist; denn zum zweitenmal sieht ers
ihr schon am Gesicht an. Und sie läßt ihn ausfragen, wenn
es ein Mädchen ist, und ruft, wenn er an das Wort oder
kommt: ein Sohn! »Auch vier Kreuzer wegen der
Danksagung in der Kirche«, sagt der Landpriester, und der Vater
bezahlt zehn, wenn es ein Junge ist. »Es kommt doch zum Besten
der Kirche«, spricht er. Ist es aber ein Mädchen: so sucht
er, obgleich es auch zum Besten der Kirche kommt, aus allen Taschen
Scheidemünzen zusammen. »Hier«, seufzt er,
»sind vier Kreuzer. Gott schenke uns einen sanften Regen, denn,
in Wahrheit, das Getreide steht schlecht.« Ein
Frauenzimmer, wenn es vierzehn Jahre alt ist, fragt die Amme:
»Ist es ein Söhnchen?« –: »Ja,
gnädiges Fräulein.« –: »Ein niedliches
Kind!«, und schnell ist es in seinen Armen. Es
faßt es, wo man gemeinhin allen Kindern hinzufassen pflegt, und
dann noch etwas weiter. Warum das gnädige Fräulein das Kind
liegenläßt, wenn die Amme gesagt hat: »Ein
Mädchen!«, kommt daher, weil es vierzehn Jahre alt ist.


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