Der Judenstaat - Theodor Herzl - Страница 1 из 102


ist ein uralter. Es ist die Herstellung des Judenstaates. Die Welt
widerhallt vom Geschrei gegen die Juden, und das weckt den
eingeschlummerten Gedanken auf. Ich erfinde nichts, das wolle man sich
vor allem und auf jedem Punkte meiner Ausführungen deutlich vor
Augen halten. Ich erfinde weder die geschichtlich gewordenen
Zustände der Juden noch die Mittel zur Abhilfe. Die materiellen
Bestandteile des Baues, den ich entwerfe, sind in der Wirklichkeit
vorhanden, sind mit Händen zu greifen; jeder kann sich davon
überzeugen. Will man also diesen Versuch einer Lösung der
Judenfrage mit einem Worte kennzeichnen, so darf man ihn nicht
»Phantasie«, sondern höchstens
»Kombination« nennen. Gegen die Behandlung als Utopie
muß ich meinen Entwurf zuerst verteidigen. Eigentlich bewahre
ich damit nur die oberflächlichen Beurteiler vor einer
Albernheit, die sie begehen könnten. Es wäre ja keine
Schande, eine menschenfreundliche Utopie geschrieben zu haben. Ich
könnte mir auch einen leichteren literarischen Erfolg bereiten,
wenn ich für Leser, die sich unterhalten wollen, diesen Plan in
den gleichsam unverantwortlichen Vortrag eines Romans brächte.
Aber das ist keine solche liebenswürdige Utopie, wie man sie vor
und nach Thomas Morus so häufig produziert hat. Und ich glaube,
die Lage der Juden in verschiedenen Ländern ist arg genug, um
einleitende Tändeleien überflüssig zu machen. Um
den Unterschied zwischen meiner Konstruktion und einer Utopie


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