Die Reise nach einem Lächeln - Theodor Herzl - Страница 1 из 10


vier Herren saßen nach dem Souper auf der breiten Terrasse des
Landhauses. Aus dem Garten herauf strich ein sommerlicher Duft. Jeder
hatte sein Maiweinglas vor sich. Ab und zu kam lautlos der
wohlerzogene Diener und füllte die grünen Kelche. Viel hatte
er aber damit nicht zu thun, denn drei von den Vieren waren gewitzigte
Lebemänner, die den Genuß durch Maßhalten zu
erhöhen verstanden. Nur der Vierte, ein lebhafter junger Mensch,
übernahm sich ein wenig im Trinken und Reden. Und wie immer,
wenn Herren unter sich sind, kam das Gespräch auf die Frauen oder
– wie man nach dem Souper aufgeknöpfter zu sagen pflegt
– auf die Weiber. Der lebhafte junge Mensch that sich besonders
hervor durch die Erzählung sehr brauner Anekdoten. Anfangs
lachten die Anderen dazu. Allmählich wurden ihnen aber diese
Scherze zu bunt und zu derb. »Schweig doch!« rief der
Hausherr endlich dem jungen Manne zu, der sein Vetter war und den er
mit verwandtschaftlicher Grobheit zu behandeln pflegte.
»Schweig, Fritz, Du verdirbst uns mit solchen Reden die
gottvolle Nacht!« Der Doktor nickte zustimmend und rief:
»Ja wohl! Rauchen, trinken, schweigen! Wir können nichts
Besseres thun. Es wäre denn, daß Einer von Euch eine
Geschichte wüßte, die so rein und schwermüthig, so
sehnsuchtsvoll und köstlich ist, wie diese Sommernacht.«
»Ich weiß eine solche!« sagte da langsam Herr Paul,
der bisher stumm dagesessen, im tiefen Schatten hinter der Thür.


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