Philosophische Erzählungen - Theodor Herzl - Страница 1 из 215


Jahre und seines Geistes, als er sich entschloß, Athen zu
verlassen. Auf den Kyrben standen seine Gesetze, aber den Bürgern
waren sie noch allzu neu. Täglich kamen Männer aus allen
Kreisen und betrachteten mit Staunen oder Unwillen die Axones des
Solon. Sein Freund Hipponikos redete ihn darauf an: »Du
siehst, wie Deine Gesetze allen Steuerklassen mißfallen.«
»Weil sie neu sind, Hipponikos. Meine Gesetze sind noch nicht
gut, aber auch noch nicht schlecht. Junge Gesetze gleichen in Manchem
dem Weine. Sie müssen reifen, nachdem sie fertig geworden
sind.« »Mein Solon, Du hast es Keinem recht gemacht.
Ich wundere mich nicht, daß die Pentakosiomedimnen, die Ritter
und auch die Zeugiten wider Dich sind, denn Du bist ein Freund der
vierten Klasse, zu der Du selbst nicht gehörst. Aber auch die
Theten murren in ihrem Innern, und wenn sie Dich nicht so blind
verehrten, weil ihnen Deine Seisachtheia das Schuldenzahlen
erleichtert hat, sie würden wohl gegen Dich aufstehen.«
»Gesetze, Hipponikos, können nicht allen Leuten behagen.
Der ist ein Tor, ein Träumer, wenn nicht ein Schurke, der durch
Gesetze irgendwen zufriedenstellen will. Das Gesetz kann nur auf der
Unzufriedenheit Aller beruhen.« »Ein Tyrann
könnte nicht anders denken.« »Nur würde er
es nicht sagen, mein guter Hipponikos. Der geheime Sinn meiner Gesetze
war es, eine erträgliche Unzufriedenheit Aller herzustellen.


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