Das misslungene Opfer - Therese Huber - Страница 1 из 58


Erzählung Franz Herrmann an Gustav Sander Nach eilf
Jahren bin ich wieder auf europäischem, auf deutschem Boden. Das
Komptoir, und die Horden der Wilden, von denen ich Felle eintauschte,
waren in diesen eilf Jahren meine ganze Welt. Nun habe ich Lebewohl
gesagt den wilden Ufern des Ohio, den rauhen, kaum denkenden, und doch
so menschlich fühlenden Wilden, mit denen ich so lange in jenem
Weltteil am liebsten lebte. – Hast du dort, wo die Sonne
aufgeht, dein Weib, daß du von uns willst? So fragten die
Barbaren – Ich habe kein Weib dort – o Gott! – aber
die Sonne geht ja dort auf – ich habe kein Weib, und doch will
ich von Euch – – Da war ich im Begriff, wie
schon so oft, ihnen Dinge zu sagen, die in Europa nie über
meine Lippen kommen dürfen, die sie nicht verstehen konnten, die
sich aber in ihren Augen gespiegelt hätten, denn ihre Augen
ahneten Sehnsucht, und sprachen Mitleid – Meinst du,
ich werde offener sein in Deutschland, als ich es in Amerika war? du
klagtest oft über mich, Gustav – Meinst du, ich sei weniger
exzentrisch geworden? Zum Lachen ist es schon. Ein wohlhabender,
rechtlicher Mensch von vierundzwanzig Jahren verläßt seine
stattliche Vaterstadt, um in Philadelphia ein Haus anzulegen, und mit
den Tscherokesen und Irokesen zu handeln – welch ein
ausschweifender, unsinniger Einfall! Nun komme ich zurück –
ja das Genie ist, trotz einiger gutherziger Geniestreiche, vor denen


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