Sophie - Therese Huber - Страница 1 из 125


mein stilles Landstädtchen, um nach einer Trennung von zehn
Jahren meinen Universitätsfreund P. zu besuchen, der in seiner
Vaterstadt ***g von seinen Einkünften lebte. Nach der ersten
Bewillkommung fiel mir an meinem redlichen P. eine sichtbare
Zerstreuung auf. Ich hatte bey ihm auf eine der meinigen gleiche
Freude gerechnet, und diese Erscheinung machte mich etwas betroffen.
Der Stillstand, welcher dadurch in unserem Gespräch erfolgte,
ließ mich ein feyerliches Glockengeläute vernehmen, das mir
vorher entgangen war. Vielleicht, dachte ich, ist es ein
Leichenbegängniß, an dem er besonders Theil nimmt. Ich that
deshalb einige Fragen an ihn, die er ausweichend beantwortete. Er trat
an das Fenster, um den vorbeykommenden Trauerzug zu sehen. Unter den
Leidtragenden zeichneten sich zwey noch ziemlich junge Männer
aus, deren völlig zerstörte Gesichter mich veranlaßten
zu fragen, was ihnen der Todte denn gewesen wäre? P. war aber
durch das Schauspiel in solche Verwirrung gebracht, daß ich
seine Antwort durchaus nicht verstehen konnte. Ich ließ es
dabey; aber es ward mir unheimlich, und unser Gespräch stokte
sehr, bis wir durch die Rükkehr des Zuges wieder an das Fenster
gerufen wurden: sie schien mit unordentlicher Eile begleitet, von den
bey den Leidtragenden fehlte jezt einer, der andre stand vor der
Thüre unseres Hauses einen Augenblik still, und schlüpfte
dann schnell hinein. Er trat in das Zimmer, P. war ihm entgegen


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