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Mann zum Romanenhelden zu brauchen? Erschienen im
»Morgenblatt« 1828 Die Bemerkung, daß Weiber
in ihren romantischen Dichtungen keinen männlichen Charakter
darzustellen vermögen, ist schon oft gemacht worden. Ich bin auch
eine Romanenschreiberin und stimme dieser Bemerkung völlig bei.
Da ich mir aber bewußt bin, unter meinen Romanenhelden manchen
nach dem Leben geschildert zu haben, und dennoch keinen Mann in dem
Sinn, wie ihn dieses einzige Wort bezeichnet, sann ich schon
frühe darüber nach, was unter einem Mann in obigem Sinne zu
verstehen sei, und warum ich keinen solchen in meinen Romanen
aufstellen könne? Was verlangt man eigentlich von der
Schilderung eines Mannes? und ist es denn Männern gelungen, eine
solche Schilderung zu entwerfen? Die Eigenschaften, mit denen ich den
Mann bezeichnen würde, sind Milde und Kraft, Geist und
Selbstbeherrschung. Kann mit diesen Eigenschaften ein Mann in
Romanenverhältnissen vorteilhaft auftreten? Nein! Das
Romaneninteresse fordert Leidenschaft, und die Leidenschaft der Liebe;
aber so ein Mann wird die Liebe sobald als möglich beseitigen,
weil er als Bürger, sei er Ehemann und Hausvater, oder ehelos und
einzeln, sich dem Ganzen zu widmen bestrebt ist. Wagt ein Dichter so
einen Mann in seinen Romanen zu schildern, so wird er langweilig. Den
Beweis, der vielleicht öfter, als ich es weiß, sich
wiederholt hat, nehme ich aus ältern Romanen, die gebildeten


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